Der jüngste Angriff in Höchberg bei Würzburg in Bayern erschüttert – und überrascht uns als Deutsch-Israelische Gesellschaft Rhein-Neckar, Mannheim leider nicht.

Ein 65-jähriger Mann – ein Mitglied der Deutsch-Israelische Gesellschaft AG Würzburg – wurde nach bisherigen Ermittlungen brutal zusammengeschlagen, weil er einen Anstecker mit einer israelischen Flagge trug. Der mutmaßliche syrisch-stämmige Täter soll ihn zunächst angesprochen, dann geschlagen, verfolgt, zu Boden gebracht und mehrfach gegen Kopf und Oberkörper getreten haben. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen, darunter einen Wirbelbruch. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des versuchten Mordes und geht von einem antisemitischen beziehungsweise israelfeindlichen Motiv aus.

Wer heute in Deutschland offen zeigt, dass er Jude ist, Israeli ist, zu Israel steht oder einfach nur seine Solidarität mit seinen jüdischenMitbürgern zeigt, muss sich inzwischen fragen, ob er damit seine körperliche Unversehrtheit riskiert.

Das allein ist ein politischer Offenbarungseid.

Und nein – die entscheidende Frage ist nicht: „Warum regt ihr euch auf? Der Täter wird doch verurteilt.“ Die eigentliche Frage lautet: Wie haben wir eine Atmosphäre geschaffen, in der Menschen glauben, sie könnten Juden, Israelis oder Menschen, die ihre Solidarität mit Israel zeigen, angreifen? Wie konnte ein gesellschaftliches Klima in Deutschland entstehen, in dem Menschen ernsthaft um ihre Sicherheit fürchten müssen, nur weil sie einen kleinen Anstecker mit einer israelischen Flagge tragen? Oder einen Davidstern?

Gewalt entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie wächst dort, wo Hass erlaubt und ständig relativiert wird. Wo antisemitische Parolen auf Demonstrationen als Meinungsfreiheit entschuldigt werden. Wo Israelhass als legitime „Israelkritik“ verpackt wird. Wo antisemitische Straftaten zwar verurteilt, ihre ideologischen Ursachen aber aus politischer Bequemlichkeit nicht konsequent benannt werden.

Und wo man „Yallah Intifada“, „Vernichtet die Zionisten“ , „Tod der IDF“ und „Palästina darf sich wehren mit Steinen und mit Gewehren“ rufen darf.

Wer Hass über Jahre normalisiert, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann Fäuste und Tritte folgen.

Vielleicht sollte das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für Deutschland herausgeben: „Reisenden mit jüdischem oder israelischem Hintergrund wird empfohlen, in der Öffentlichkeit kein Hebräisch zu sprechen, keine Kippa, keinen Davidstern und keine israelischen Symbole offen zu tragen. Und zu verschweigen, woher sie kommen.“

Jetzt warten wir auf die üblichen Floskeln:

„Wir lehnen Gewalt ab.“

„Wir sind schockiert.“

„Unsere Gedanken sind beim Opfer.“

Aber die Verantwortung liegt nicht nur beim Täter. Sie liegt auch bei Politikern, die antisemitische Demonstrationen verharmlosen, Gewaltaufrufe gehen Zionisten nicht verurteilen, bei Behörden, die Warnsignale immer wieder ignorieren, bei Teilen der Justiz, die antisemitische Motive nicht erkennt, und bei jedem, der schweigt, wenn Juden oder Israelis zur Zielscheibe werden.

Denn ein Anstecker ist nie das Problem – es unsere Gesellschaft.